Was ist Open Source Intelligence?

OSINT Auf der Suche nach Informationen

Wer sich näher mit Ermittlungen, oder der Welt der Nachrichtendienste befasst, wird schnell auf den Begriff Open Source Intelligence – kurz OSINT – stoßen.
In diesem Beitrag erkläre ich Dir, wie man die Macht von Open Source Intelligence nutzen kann. Hier erfährst Du, um was es dabei geht und wie man seine Techniken und Tools nutzen kann, um Informationen über Personen zu erhalten.

Open Source Intelligence ist eine „Erfindung“ der Nachrichtendienste, die es schon früh verstanden frei verfügbare und somit offene Quellen ( Internet, Printmedien, TV, Radio etc.) zur Gewinnung von Erkenntnissen zu nutzen.

Wozu kann man Osint gebrauchen?
Eigentlich immer, wenn man etwas über jemanden oder ein Ereignis wissen möchte, bietet es sich an auf Erkenntnisgewinnung mittels OSINT zurückzugreifen:

Wenn man sich dafür interessiert, welche Leichen ein Konkurrent im Keller hat, kann man in offenen Quellen danach suchen. Irgendwo gibt es in den Tiefen des WWW den Hinweis, den Du benötigst.

Du planst einen Hack auf den Server eines Unternehmens? Kein Problem! Soziale Netzwerke sind ein Füllhorn für Social Engineering. Skripte und Anleitungen gibt es online.
 
Mal eben gucken, was Dein politischer Gegner vor seiner Kandidatur so getrieben hat?  Mit den richtigen Such-Operatoren kannst Du Dir auf Google alle PDF vor 2021 anzeigen lassen, in denen sein Name vorkam.
 
Klingt alles gut, oder? Aber irgendwie auch ein bißchen zwielichtig? Da gebe ich Dir Recht.
Da Du und ich aber zu den Guten gehören, nutzen wir das natürlich nur für legale Zwecke. Logisch.

Die gewonnenen Informationen werden bei OSINT genau so analysiert, bewertet und miteinander verknüpft, wie bei klassischen Aufklärungen. Das sind z.B. HUMINT (Gesprächsaufklärung), die elektronischen Aufklärung mittels Abhörtechnik oder die Bildanalyse mittels Einsatz von Drohnen oder Satellitenbildern.
Für meinen Job ist OSINT ein wahrhaft mächtiger Werkzeugkasten voller Möglichkeiten. Wer sich einmal tief in den Hasenbau begibt, wird schnell erkennen, wie effektiv dessen Techniken und Tools eingesetzt werden können.
So manchem Gesprächspartner konnte ich schon Dinge über ihn erzählen, die dieser zum Teil selber sogar selber schon vergessen hatte. Es verschafft Dir einen echten Informationsvorsprung gut vorbereitet zu sein.  JEDER Ermittler sollte sich damit auskennen. Selbst wenn Du die Erkenntnisse „nur“ für den Aufbau Deines Rapports nutz, lohnt es sich.

Mittlerweile greifen auch immer mehr Firmen und Privatleute bei bestimmten Projekten auf Informationsbeschaffung mittels OSINT zurück. Es gibt sogar schon virtuelle Konferenzen und Webinare, die sich diesem Thema widmen. Hier kann ich Interessierten die deutsche GOSINTCon nur ans Herz legen. Bei dieser Convention treffen sich jedes Jahr Experten zum Thema und referieren zu verschiedenen Anwendungsbereichen der Open Source Intelligence.

Einen Hype erlebte OSINT mit der Verbreitung des noch relativ jungen Internets, das eine Fülle an Informationen zur Verfügung stellt.
Diese Informationen haben den Vorteil, dass sie in vielen Fällen bereits schon digitalisiert vorliegen. So ist es also ein leichtes diese auch automatisiert durch Tools auszuwerten und für Auftraggeber aufzubereiten.
Einige dieser „Waffen“ werde ich in der Zukunft an dieser Stelle vorstellen. Sie werden Euch dabei helfen schnell und zielgerichtet die Informationen zu finden, die Ihr sucht.
Dabei werde ich mich nur auf Tools aus dem Bereich der Personenermittlung konzentrieren.
Auch werde ich nur solche Programme und Seiten vorstellen, die (meiner Meinung nach) sinnvoll und vor allem leicht und/oder intuitiv zu bedienen sind. Es gibt unzähliges da draußen, für das man manchmal aber fast schon Programmierer sein muss. Diese Tools haben natürlich ihre Berechtigung und sind für den erfahrenen Profi sehr gut. Aber ich möchte Dir helfen auch bei Erstkontakt mit dem Thema trotzdem schnell zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen.

Was können Quellen für OSINT sein?
Alle OSINT-Quellen haben die Gemeinsamkeit, dass sie frei verfügbar und für jeden zugänglich sind. Sie können analog oder digital vorliegen, wie zum Beispiel in

TV- oder YouTube Beiträgen
Printmedien
Fotografien
Landkarten
Foren, Blogs, Social Media Sites, Wikis und Websites

Übrigens: Wer OSINT optimal betreiben möchte, muss sich notgedrungen auch auf dem Laufenden halten, was es so an sozialen Plattformen gibt.
Wer, wie ich, um das Baujahr 72 herum ist, wird wissen wie qualvoll die Beschäftigung damit sein kann.
Aber sehen wir den Tatsachen mal ins Auge: Unsere Zielpersonen befinden sich nicht nur auf Facebook, Xing, LinkedIn und Twitter.
Wir müssen uns leider auch mit Plattformen, wie TikTok oder Snapchat befassen, wenn wir alle Möglichkeiten für eine Informationsgewinnung in Betracht ziehen wollen.
Eine gute Übersicht aktueller Plattformen, findest Du bei meinen Freunden von HubSpot  hier https://blog.hubspot.de/marketing/liste-soziale-netzwerke

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es für OSINT?
Wie schon geschrieben wird OSINT nicht nur durch Nachrichtendiensten oder Polizeibehörden genutzt.
JEDER kann Open Source Intelligence aus den verschiedensten Motivationen heraus (gut oder böse) einsetzen. Mögliche Anwendungsgebiete sind hierbei:

Business-Intelligence-Anwendungen
Hacking
Social Engineering
Penetrationstest
Sicherheitsanalysen
Wirtschaftsspionage
Journalismus
Marketing

Was sind die Vorteile von Open Source Intelligence?
Gegenüber anderen Arten der Informationsbeschaffung und nachrichtendienstlichen Erkenntnisgewinnung bietet Open Source Intelligence einige Vorteile. Die Kosten für die Informationsbeschaffung sind hier zum Beispiel sehr gering. Was brauch man schon, außer einem Internetzugang, einem Zeitungsabo oder einem Fernseher? Gerade im Bereich der digitalen Informationsgewinnung gibt es wie bereits schon erwähnt Massen an Tools, die Dir helfen die verfügbare Datenflut zu bewältigen.

Die Informationsbeschaffung kann anonym und ungefährlich quasi von zuhause aus erfolgen. Deine Zielperson bekommt also im Normalfall erst mal nicht mit, dass Du ermittelst.

Welche Tools gibt es für Open Source Intelligence?
In den nächsten Beiträgen werde ich mich mit der Informationsbeschaffung über das Internet beschäftigen, da hier die meisten Daten aktuell zur Verfügung stehen.  Hierbei helfen uns teilweise frei verfügbare Tools und Suchmaschinen.
Diese Tools unterstützen Dich dabei, Informationen aus digitalen Formaten wie Audio- und Video-Files, Texten, Bildern oder Programmcode zu extrahieren.

Hier eine kleine Auswahl möglicher Funktionen:

automatische Informationssuche und Analyse von Netzwerken  in sozialen Medien
automatisierte Abfrage von Webservern mit bestimmten Suchbegriffen
automatisierte Abfrage  von Metadaten
Analyse von  Personenverzeichnissen
Bildsuche und -analyse
Auswertung von Geo-Informationen

Du wirst in den nächsten Wochen von mir an die Hand genommen. Anhand praktischer Beispiele ermitteln wir dann gemeinsam Fallbeispiele mit der Hilfe von frei verfügbaren Quellen. Wir finden zum Beispiel heraus, wo ein Foto aufgenommen wurde, grenzen das Ganze grob datumsmäßig ein und finden sogar heraus, wie spät es auf einem Bild ungefähr ist.

Aber erst mal geht’s von vorne los und wir schaffen uns eine solide Grundlage.
Deshalb erkläre ich Dir zunächst, wie Du mit der Hilfe von Google – Suchoperatoren deine Googlesuche optimieren kannst. Damit bekommst DU endlich nur das angezeigt, was Du auch wirklich suchst. Das ist nämlich wichtig.

Hausaufgabe bis zum nächsten Mal: Lass Dir von Deinen Kids mal erklären, wie Snapchat und TikTok funktionieren.

Bis dann, Boomer!